Verschiedene Typen von Segelbooten – eine Übersicht

Verschiedene Typen von Segelbooten – eine Übersicht

3rd November 2018 Off By DerCouchNerd

Der Sportbootführerschein ist bestanden und es kann ab sofort auf große oder kleine Fahrt gehen? Chartern kommt auf Dauer nicht in Frage – es soll etwas eigenes her? Doch wie soll man sich als Anfänger im Dschungel der Segelboote mit den unterschiedlichen Bauarten zurechtfinden? Worauf muss man achten?  Welche Kategorie Boot ist für wen die passende? Ist groß immer gleich besser? Wir versuchen, einige dieser Fragen zu beantworten.

Ein Boot ist eine große Investition. Nicht nur der Kaufpreis, auch die jährliche Wartung, Versicherung und die Liegeplatzkosten schlagen aufs Bankkonto. Deshalb sollte man sich sicher sein, dass einem dieses Hobby dauerhaft Freude bereitet. Am besten ist es, ein ähnliches Segelboot für mindestens eine Woche zu chartern, bevor man sich dafür entscheidet ein Boot zu kaufen. Doch welches Boot ist das passende?

1. Nutzungsart

Angehende Seefahrer haben häufig große Träume. Warum auch nicht? Der Gedanke, alles liegen zu lassen und zu fernen Ufern zu segeln, ist eine äußerst verlockende Idee. Es ist jedoch sehr wichtig, in dieser Phase ehrlich und realistisch zu sein mit geplantem Einsatzzweck und der Realität, wie das Boot genutzt wird. 

Bevor man sich über Größe, Stil, Baumaterial, Ausrüstungslisten, Budget usw. Gedanken machen kann, erleichtert eine ehrliche Einschätzung der auf das Boot zukommenden Segelreviere und Einsatzzwecke jede andere Entscheidung im Kaufprozess eines Bootes erheblich.

Werden nur Tagestouren auf Binnenseen gesegelt? Sind gelegentliche Wochenendreisen mit Übernachtung geplant? Oder gar Küstenkreuzfahrten über jeweils ein paar Wochen mehrmals pro Jahr? Kann man sich vorstellen, an Bord im Dock zu leben und gelegentlich zu segeln? All dies sind sehr unterschiedliche Szenarien. Nicht jeder wird die Ozeane überqueren, nicht jeder braucht ein Blauwasser- & langfahrttaugliches-Segelboot, das allen Einwirkungen von Mutter Natur auch auf hoher See standhalten und auch per Autopilot gesteuert werden kann.

Die meisten Menschen träumen davon, mit dem Segelboot in ferne Länder zu reisen oder große Ozeane zu überqueren. Doch dies ist nur möglich, wenn man dafür genug Freizeit mitbringt und eine passende Crew hat. Zuerst sollte sich der Skipper jedoch grundlegende Erfahrungen zur Navigation, Wetterkunde, Bordreparaturen und Problemlösung aneignen. Deshalb sind für die erste Zeit kurze Trips im Heimatrevier vernünftiger.

2. Budget

Die zweite, ehrlich zu beantwortende Frage dreht sich, wie so häufig im Leben ums liebe Geld. Zuerst gilt es, ein Budget festzulegen das einem auch wirklich zur Verfügung steht. Denn was nützt einem ein günstiges, reparaturbedürftiges Boot-Schnäppchen, wenn einem beim Aufarbeiten (Refitting) das Geld ausgeht und man mit einem fahruntüchtigen Kahn im Hafen liegen bleiben muss. Vor allem hier gilt: Ehrlich sein, nicht träumen. Reserven einplanen!

Das Festlegen eines Budgets für den Kauf eines Segelboots kann auch dazu beitragen, einen Zeitplan mit Ziel zu erstellen. Vielleicht muss man noch ein paar Jahre arbeiten, um das nötige Budget zu ersparen. Mit anderen Worten, vielleicht möchte man wirklich Ozeane überqueren, aber das derzeitige Budget lässt dies nicht zu. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder kauft man sich jetzt ein kleineres, billigeres Segelboot, um hiermit Erfahrung in geschützten Gewässern für die späteren Boote zu sammeln oder man spart weiter beim Chartern oder Segeln anderer Boote, zum Beispiel von Freunden bis man genügend Erfahrung gesammelt und genug Geld gespart haben, um den ultimativen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Der positive Nebeneffekt: Durch das Führen unterschiedlicher Boote, lernt man viele Tücken und Macken kennen und weiß später besser, worauf beim Kauf des Traumbootes besonders zu achten ist.

3. Bootstypen

Bevor man sich überhaupt mit den unterschiedlichen Bootstypen beschäftigen kann, muss man unbedingt die ersten beiden Punkte “Nutzungsart und Budget” geklärt haben. Aber in der Praxis hat natürlich jeder angehende Eigner schon längst seitenlange Listen mit den Lieblings-Bootstypen und Traumyachten erstellt. Denn Suche und Vergleich der unterschiedlichen Boote gepaart mit ein wenig Träumerei machen natürlich am meisten Spaß. Grundsätzlich können Segelboote auf verschiedene Arten klassifiziert werden:

  • Verwendungszweck (Regatta- & Sportboot, Tagessegler, Küstenkreuzer, Hochsee- & Blauwasserboot)
  • Baumaterial (Glasfaser, Holz, Stahl, Aluminium)
  • stehendes Gut/Mastposition/Rigging (Slup, Kutter, Ketch, usw.)
  • Bauart des Kiels (Tiefgang, Form, Bauart, Position, Länge)
  • Konstruktionsmethode (kaltgeformt, mit Schaumkern, vakuumverpackt)
  • Anzahl der Rümpfe (Einrumpf, Katamaran, Trimaran)

Durch die vielfältige Auswahl und die damit einhergehenden Vor- und Nachteile je nach Einsatzzweck ist es sehr schwierig, sich hier für eine “beste” Wahl festzulegen. Denn letztendlich entscheidet auch an dieser Stelle wieder die Frage nach dem Einsatzzweck. Je genauer dieser definiert ist, desto einfacher lassen sich bestimmte Bauweisen und Materialien ausschließen und andere favorisieren.




4. Zustand

Ein heikles Thema – jeder will einen guten Deal machen. Es warten doch Tausende von Booten, die man sehr günstig kaufen kann in den Häfen und Werften. Sicherlich muss da das ein oder andere Schnäppchen dabei sein. Oder?! Man kommt schnell in die Verlockung, sich ein reparaturbedürftiges Boots-Schnäppchen anzusehen und zu denken, nachdem man es repariert hat, könne man es für Zehntausende Euro mehr verkaufen. Dies gilt jedoch nur, wenn man besonders gut mit technischen Wissen und Know-How ausgestattet ist und man einen freien Platz hat, um das Boot zu lagern, während man daran arbeitet. Außerdem kann die Arbeit an Booten sehr frustrierend sein. Erfahrene Bootsbauer sagen: Man sollte die Zeit und Kosten, die man für den Ausbau eines Bootes einplant mit 3 multiplizieren um einen realistischen Wert zu erhalten. Am Ende wird man wahrscheinlich weitaus mehr Geld ausgeben, als würde man ein hochwertigeres Schiff, das bereits vor Kurzem eine Aufarbeitung (Refitting) erhalten hat und auch sonst gut gepflegt wurde für etwas mehr Geld erwerben. Es sei denn, die Arbeit am Boot soll ein neues Hobby werden…

Dennoch benötigen wohl fast alle Boote, die gebraucht verkauft werden ein wenig Pflege und Arbeit. Es geht deshalb vielmehr darum, welche Arbeiten zu erledigen sind. Ein neuer Antifouling Anstrich oder ein paar neue Segel sind kein Problem. Muss man jedoch das komplette Teakdeck erneuern, den Motor reparieren oder Osmose beseitigen, wird der Arbeitsaufwand schon etwas zeit- und kostenintensiver. Zusätzlich müssen häufig noch kleine Updates her. Dazu gehören zum Beispiel moderne Navigationselektronik oder neue Polster und Matratzen.

5. Standort

Auch wenn es sich um ein Fortbewegungsmittel handelt, spielt der Standort eines Bootes eine große Rolle. Anfangs spielt man vielleicht mit dem Gedanken, einfach zwei Taschen zu packen, in den Süden zu fliegen, ein Boot in einer Marina zu besichtigen, es zu kaufen und damit loszusegeln. Doch ganz so einfach ist es nicht. Da die meisten Boote benötigen wie oben beschrieben leichte Reparaturarbeiten, man sollte also einen Standort in der Nähe wählen. Im Gegensatz zu Immobilien sind Boote jedoch keine unbeweglichen Objekte, und ihre Preisgestaltung ist auf der ganzen Welt unterschiedlich. Ein Boot, das in den USA 50.000 EUR kostet, kann im Mittelmeer vllt. für 25.000 EUR zu bekommen sein. Wichtig ist jedoch für Europäer: Immer auf das CE-Zeichen achten. Ein Boot ohne CE-Zeichen wird niemals unter europäischer Flagge zulassungsfähig sein. Sobald man sich auf ein Budget und einige bestimmte Bootstypen festgelegt hat, wird man feststellen, dass man dieses Boot gar nicht so häufig in der Nähe findet und eine längere Reise häufig nötig sein wird. Die Suche wird außerdem maßgeblich dadurch beeinflusst, auf welches Segelrevier man sich festgelegt hat.

6. Die Bootssuche

Hat man also alle oben genannten Punkte und Fragen beantwortet, ist es an der Zeit sich erste Boote anzusehen. Wahrscheinlich hat man vorher schon etliche Stunden und Tage damit verbracht, die verschiedenen Angebote auf Yachtworld, Boot24 und ebay-Kleinanzeigen zu beobachten und Datenberge mit Vor- und Nachteilen zu den einzelnen Typen zu sammeln. Egal wo man sich gerade befindet, es ist häufig auch ratsam, einfach mal den nächsten Yachthafen oder Marina anzusteuern und nach Verkäufen zu erkundigen. Hier findet man häufig die besten Angebote. Positiver Nebeneffekt: Je mehr Menschen von dem Vorhaben, ein Boot zu kaufen wissen, desto mehr Angebote werden auf uns zukommen. Lassen Sie die Menschen wissen, dass Sie auf dem Markt sind und im Begriff sind ein Boot zu erwerben. Vielleicht kennt jemand aus der Szene ein passendes Schnäppchen, kann es sich aber nicht für sich kaufen, da er ja schon ein Boot besitzt.

Auch wenn im Yachthafen um die Ecke keines der Boote nach den festgelegten Wünschen ist, werden wir trotzdem viele Erfahrungen sammeln und Neues lernen. Denn Fakt ist: Je mehr Boote man sich anschaut, desto besser wird man sich am Ende auskennen. Und ganz ehrlich: Wenn man Menschen nach ihrem Boot fragt, geben sie gerne eine kleine Tour, sind sie doch stolz auf ihr kleines Traumschiff. Man erhält dabei umfassende Informationen zu Vor- und Nachteilen, über die man anfangs gar nicht nachgedacht hat.

7. Fazit

Ein altes Sprichwort sagt, die glücklichsten Tage eines Eigners sind die, an dem sie ihr Boot kauften und der Tag an dem sie es wieder verkauften. Dieses Sprichwort soll verdeutlichen, wie viele Kosten und Arbeit der Besitz eines Bootes mit sich bringt. Ein Boot kann ein Loch ohne Boden sein, in das man jede Menge Geld hineinwirft. Ein Boot kann auch ein Klotz am Bein sein, zu dem man immer wieder zurückkehren muss, um es zu pflegen auch wenn man gerade besseres zu tun hat.

Wenn man sich jedoch von diesem Sprichwort, den hohen Kosten, der Art sich langsam fortzubewegen und dabei oft kalt und nass zu sein nicht abschrecken lässt, dann ist man bereit für ein Boot. Denn gleichzeitig ist ein Boot ein riesiges Abenteuer. Einige Menschen sagen sogar, eines der letzten großen Abenteuer auf unserem Planeten. Steht man mit einem Campervan ständig im Stau und auf festgelegten Stellplätzen, hat man mit einem Boot mehr Freiheit. Man kann sich einfach treiben lassen, ist dabei aber vom Wind abhängig. Jedoch hat der Besitz eines Bootes nicht nur mit Segelromantik zu tun. Er erfordert die Verpflichtung, sich ständig um das Boot zu kümmern, vor allem wenn man damit auf hoher See unterwegs ist oder darauf wohnt. Es muss einen bestimmten Grad an Sicherheit gewährleisten. Für einige ist deshalb das Chartern eine bessere Alternative. Für den Bruchteil eines Bootes kann man es für ein paar Wochen im Jahr chartern und hat danach keine Unkosten und Verpflichtungen mehr.

Wenn man also das Segeln liebt und damit die Art, langsam zu reisen und verschiedene Kulturen kennen zu lernen, vielleicht sogar auf dem Boot leben möchte, dann ist das eigene Boot genau das Richtige für einen. Möchte man aber nur vier Wochen im Jahr im Urlaub auf dem Boot relaxen, dann sollte man eher chartern, denn allein die Liegeplatzkosten des eigenen Bootes sind im Jahr genau so hoch wie zwei Wochen Luxus-Chartern.